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Kurzgeschichten und Lyrik

Neben der bildenden Kunst ist Schreiben für mich ein weiterer Ausdruck meiner Gedankenwelt. Meine Kurzgeschichten und Gedichte gehören zu meinem kreativen Schaffen. Manchmal begleiten sie meine Werke und manchmal stehen sie für sich. Sprache und Worte sind ein Teil der Welt von Kobowali. Mein erster Gedichtband heißt "Um die Ecke".

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Kurzgeschichten

Begleiter
Herr Schulte-Böhme kam gerade nach Hause. Da klopfte es an der Türe. „Hallo! Kennst du mich noch? Wir haben einmal Zeit verbracht. Du kontaktierst mich immerzu. Ich wollte wissen, warum du das tust.“ Herr Schulte-Böhme erinnerte sich nicht. Er hat diese Person noch nie gesehen. Er wollte gerade dankend ablehnen. Da sprach die fremde Person: „Andauernd denkst du an mich. Du suchst mich auf. Ich spüre das. Wenn du etwas tust, bin ich da. Wenn du nichts tust, bin ich da. Wenn du traurig bist, bin ich da. Wenn du versuchst glücklich zu sein, bin ich da.“ Herr Schulte-Böhme verstand nicht. Wütend knallte er die Türe zu. Er setzte sich auf die Couch.
Herr Schulte-Böhme saß am Frühstückstisch. Da klopfte es an der Türe. „Guten Morgen! Du möchtest mich kennenlernen? Wir werden einmal Zeit verbringen. Du kontaktierst mich immerzu. Ich wollte wissen, warum du das tust.“ Herr Schulte-Böhme konnte mit dem Angebot nichts anfangen. Er wollte gerade dankend ablehnen. Da sprach die fremde Person: „Andauernd denkst du an mich. Du befragst mich. Ich spüre das. Wenn du etwas tust, bin ich da. Wenn du nichts tust, bin ich da. Wenn du Angst hast, bin ich da. Wenn du versuchst glücklich zu sein, bin ich da.“ Herr Schulte-Böhme war verwirrt. Wütend knallte er die Türe zu. Er setzte sich zurück an den Tisch.
Herr Schulte-Böhme lag auf der Gartenliege. Da klopfte es an der Türe. „Guten Tag! Ich habe auf dich gewartet. Wir haben noch nie Zeit verbracht. Nie kontaktierst du mich. Ich wollte wissen, warum du das nicht tust.“ Herr Schulte-Böhme war vor den Kopf gestoßen. Er konnte sich an keinen Kontaktversuch erinnern. Er wollte gerade dankend ablehnen. Da nahm ihn die fremde Person an die Hand und sagte: „Nie denkst du an mich. Du möchtest nicht mit mir gehen. Ich spüre nichts. Wenn du etwas tust, bin ich nicht da. Wenn du nichts tust, bin ich nicht da. Bei mir wärst du nicht traurig. Bei mir hättest du keine Angst. Bei mir wärst du glücklich.“ Herr Schulte-Böhme tat nichts.


Kobowali

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Regenschirm
Kurt stellte den schwarzen Regenschirm in die Ecke. Gestern hatte Agnes ihn verlassen. Warum wusste er genau. Der Regenschirm war noch nass. Er klappte ihn aus und legte ihn zum Trocknen in die Badewanne.
Schon seit 2 Jahren war er verändert. Der Blick war neblig. Das Hören dumpf. Der Rücken steif. Damals war er Balletttänzer an der Obstoper. Er gab Lyrikunterricht an der Regenbogenschule. Der schon abgenutzte Regenschirm war trocken. Er hing ihn an den Garderobenhaken. 

Morgen ist sein 35. Geburtstag. Agnes war weg. Die Freunde lange nicht gesehen. Er will alleine sein. Wie immer.
Kurt muss nochmal zum Schokoladenladen. Der alte Regenschirm muss mit. Er schützt. Kurt kauft 5 Tafeln weiße Schokolade und 40 Vollmilchschokoladeneier. Und 3 Flaschen Schokosahnenougatlikör. Zum Geburtstag. Und jetzt noch den hässlichen Regenschirm tragen. Nervig.

Kurt feiert in seinen Geburtstag. Mit Zucker und Likör. Der wuchtige Regenschirm lag wieder in der Badewanne. Kurt war vollkommen high und betrunken. Zuckerrausch. Was für ein geiles Gefühl. Sollte er öfter machen. 
Er ruft Agnes an. Sie geht nicht ran. Er stolpert ins Bad. Ziel: Badewanne. Schlafen oder kotzen. Das würde er spontan entscheiden. Dieser scheiß Regenschirm.

 

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Kobowali

Regenschirm 2
Kurt wachte in der Badewanne auf. Der Regenschirm war eingefärbt. Schokosahnefarben. Eine Glasur aus Erbrochenem. Endlich 35 Jahre alt. Der ranzige Regenschirm war alt. Aber man wirft ja nichts weg. Am besten neu streichen. Ja das ist eine gute Idee. Kurt machte sich sogleich an die Arbeit. Ockergrau!
Kurt marschierte los. Vorbei an der Obstoper. Mit seinem wuchtigen ockergrauen Schirm. Das waren noch Zeiten. 
Die Tage vergingen. Tagein. Tagaus. Routineverkehr. Besorgungen. Märsche. Lila Regenschirm. Roter Regenschirm. Pastellfarbener Regenschirm. Gelb. Grün. Orange. Weißer Regenschirm.
Heute ein weiterer Spaziergang vorbei an der alten Regenbogenschule. Das waren noch Zeiten.
Kurt kam an einer Mülltonne vorbei. Restmüll. Er blieb stehen. Wie in Trance betrachtete er sie. Mattes schimmerndes Schwarz. Glatte Oberfläche. Kurt streichelte sanft das Plastik. Er öffnete den Deckel. Keine heiße Asche einfüllen stand da. Er nahm den Geruch in sich auf. Und umarmte die Tonne zärtlich. Weinen. Lachen. Ein Griff. Kurt verabschiedete sich. Dankbar. Ohne weißen Regenschirm.

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Kobowali

 

Illustration Regenschirm, Kobowali
Illustration Regenschirm 2, Kobowali

Gedichte

Haben und Sein
Träge tanzt die Idee.
Vom Haben.
Im immer gleichen Trott.
Lustvoll singt das Tun.
Vom Sein.
Im nie gleichen Neuen.


Kobowali

 


Irrsinn
Irre irren.
In ihrem Irrsinn.
Irrtümlich. Natürlich.


Kobowali    

 


Martha
Still ist die Nacht.
Martha erwacht.
In der Wüste ertrunken.
Im Sand versunken.
Vertrocknet im Fluss.
Vom Wasserguss.
Gefallen im Tal.
Weite wird Qual.
Auf dem Gipfel verloren.
In Höhe erfroren.
Laut ist die Nacht.
Wenn Martha erwacht.
Und sich Gedanken macht.


Kobowali

 


Die Wirklichkeit
Abgewandt.
Vom Unwirklichen.
Zeigt dir.
Deine Welt.
Die Wirklichkeit.


Kobowali
 


Heimkehr
Dort.
Wo ich mich befinde.
Im Gewinde.
Ein Ort.
Schneller als das Sein.
In der Stille.
Frei von Wille.
Kehre ich heim.


Kobowali

 


Das Herz
Das Herz ist schwer.
Es starrt gebannt.
Bleibt drinnen leer.
Im Seidengewand.
Es gibt mir nichts.
Doch bleib ich dort.
Und hoffe an diesem Ort.
Zu finden.
Was ich gesucht. Da draußen.
Im großen Ganzen Außen.


Kobowali

 


Nebel
Der Nebel sinkt.
Das Gras. Es spinnt.
Ein Netz aus Fäden.
Gedanken weben.
Sich durch das Leben.
Und finden kein Ende.
Doch mit der Sonne.
Allmählich die Wende.
Ein Sinn. Ich bin.
Schaffen im Rhythmus der Zeit.
Der Blick ist weit.
Bis die Sonne untergeht.
Ertrunkenes Gras in Bewegung steht.
Netze gesponnen.
Gedanken verworren.
Kreieren sie die Ordnung der Welt.
Wie der Nebel fällt.


Kobowali

 


Einsame Gewalt
Wie kann es sein.
Dass wir uns so entzweien.
Zusammenhalt.
Weicht.
Einsamer Gewalt.
Lasst nicht sein.
Dass wir uns so entzweien.
Zusammenhalt.
Nimmt.
Einsame Gewalt.


Kobowali

 


Sinnsucht
Im Sinne des Seins.
Ersehnen wir.
Sinn.
Doch mancher.
Sucht im Sinnlosen.
Und er suchtet.
Auf der Suche.
Sinnsucht sucht keinen Sinn.
Sie ist sinnlos.


Kobowali

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Birkenwald
Im Birkenwald.
Dort stehen sie.
Drohen mit Gewalt.
Flieh!
Im dunklen Licht.
Trägt Nachgewand.
Starrt wie gebannt.
Und hört dich nicht.
Taurus sitzt.
Man sieht ihn kaum.
An einem Baum.
In Rinde ritzt.
Geschrieben sieben Zeilen lang.
Den Stamm entlang.
Einen Vers. Ihm war bang.


„Mutter geh nicht fort von hier.
Die Birkenblätter bleiben dir.
Schlaf nur nicht.
Der Wald.
Er bricht.
Dein Untertan.
Er nun fortan.“


Langsam geht die Sonne auf.
Die Birken beginnen ihren Lauf.
Im Dämmerlicht.
Sieht man es nicht.
Den Vers. Die Angst. Den Stamm.
Die Hände klamm.


Manus reicht seine Hand.
Einem hoffnungslosen Land.
Weil niemand mehr singt.
Und Gedanken bringt.
Die sich streuen und verlieren.
Die sich im Chaos sortieren.

So entscheidet sie.
Und weiß doch nie.
Sie geht nicht fort.
Sie bleibt noch dort.
Schläft niemals ein.
Und wagt das Sein.
Im wiederkehrend.
Währenden Kreis.
Der endlichen Unendlichkeit. 

Kobowali



 

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